Unsere Persönlichkeit beeinflusst unser soziales und berufliches Leben, zum Beispiel, wie glücklich unsere Freundschaften und Partnerschaften verlaufen. Gut organisierte, hilfsbereite und stressresistente Menschen machen soziale Beziehungen oft zufriedenstellender und konfliktfreier - obwohl solche Menschen nicht unbedingt diejenigen sind, die am schnellsten in Freundschaften und Partnerschaften landen. Auch die Stellung, die wir in sozialen Gruppen innehaben und unser beruflicher Aufstieg sind auf vielfältige Weise mit unserer Persönlichkeit verknüpft: Menschen mit Selbstbewusstsein und Durchsetzungsstärke landen zum Beispiel häufiger an der Spitze.
Woran liegt das? Mein Team und ich erklären den Einfluss der Persönlichkeit auf soziale Beziehungen, indem wir genau hinschauen und analysieren, wie sich Menschen in sozialen Situationen in ihrem Denken und Fühlen unterscheiden, wie sie sich gegenüber anderen verhalten und welche Eindrücke sie bei anderen auslösen.
Ausgewählte Beispiele meiner Studien zu Persönlichkeit und sozialen Beziehungen finden sich hier:
Zuerst luden wir junge Erwachsene, die sich noch nicht kannten, dreimal ins Labor ein und sie lernten sich bei gemeinsamen Spielen und Gruppenaufgaben kennen. Immer wieder beurteilten sie gegenseitig ihre Persönlichkeit und wie sympathisch sie sich finden. Danach untersuchten wir einen Jahrgang Psychologiestudierende in den ersten Wochen ihres Studiums - auch sie beurteilten sich über eine Smartphone-App immer wieder gegenseitig.
Personen, die andere als schwächer und unterwürfiger einschätzen entwickelten sich eher zu Führungspersonen - weil sich ihre leicht überhebliche Haltung in dominanterem Verhalten ausdrückte.
Andere als nicht ganz so mächtig zu sehen, kann dem eigenen Status in sozialen Gruppen zuträglich sein.
Wir haben über 350 Menschen auf Partnersuche zwischen 18 und 55 Jahren zu wissenschaftlich begleiteten Speed-Dating-Events eingeladen. Nach jedem Date haben wir erfasst, ob die andere Person für eine Beziehung und/oder einen One Night Stand in Frage kommt und ob man denkt, selbst für die andere Person in Frage zu kommen. Außerdem haben wir Persönlichkeitseigenschaften erhoben und das Flirtingverhalten per Video festgehalten.
Die Dating-Teilnehmer gingen davon aus, dass das romantische Interesse gegenseitig ist: Wer selbst Interesse hatte, erwartete auch, dass die andere Person Interesse hat. Dem war aber nicht so. Ein Grund für das Dating-Missverständnis: Flirting bedeutete nicht gleich Interesse und war zum Beispiel stärker von der Persönlichkeit beeinflusst.
Wer beim Dating nicht enttäuscht werden will, muss wissen: Flirting bedeutet nicht immer gleich Interesse - manchmal liegt es auch nur daran, dass jemand nett sein will, Spaß daran hat, Interesse zu erzeugen oder einfach sehr extravertiert ist.
Welche Effekte hat Narzissmus auf die Auswahl und die Gestaltung romantischer Beziehungen? In 7 Studien mit insgesamt über 3.500 Teilnehmer*innen haben wir das untersucht, indem wir Online-Umfragen verschickt haben, Videos beurteilen ließen, erste Begegnungen analysiert und Paare befragt haben.
Narzissmus hat widersprüchliche Effekte auf die Liebe: Narzissten sind begehrt und zwar vor allem, weil sie selbstbewusster und charmanter auftreten. Aber sie lösen in bestehenden Beziehungen auch mehr Konflikte aus - weil sie Kritik nicht ausstehen können und weil sie auch noch Interesse an anderen haben.
Die Eigenschaften, die uns in der Liebe zuerst anziehen, sind nicht unbedingt dieselben Eigenschaften, die uns später zufriedenstellen.