Gesellschaft Illustration

Persönlichkeit und
Gesellschaft

Die westlichen liberalen Gesellschaften stehen unter Druck. Eine Krise jagt die nächste: Konflikte um Einwanderung, Klimawandel, Energie und Pandemie. Angst vor zunehmenden antidemokratischen und nationalistischen Tendenzen, vor Verschwörungsmythen und einem allgemeinen Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen. Dazu gesellen sich hochgekochte Etikette-Fragen um das richtige Sprechen, Bezeichnen und Aussehen – Empörungs-Debatten um Wokeness, Identitätspolitik und Cancel Culture.
Immer wieder ist von Spaltung die Rede: Gesellschaftliche Lager, die für soziale und kulturelle Veränderungen offen sind und diese begrüßen, stehen solchen gegenüber, die sich diesen Veränderungen widersetzen und das "Wie-es-immer-war" verteidigen wollen. Und das hat - auch wenn es selten so beleuchtet wird - ganz viel mit Persönlichkeit zu tun. Zum Beispiel streben Menschen unterschiedlich stark nach Sicherheit oder Veränderung - beides ist für Menschen typisch und für Gesellschaften wichtig.
In meiner Forschung beschäftige ich mich mit dem Einfluss unserer Persönlichkeit auf gesellschaftliche Phänomene - vor allem in Krisenzeiten. Sehr spannend finde ich zum Beispiel, wie unterschiedlich stark sich verschiedene Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen (in Wissenschaftssprache: "wahrgenommene gesellschaftliche Marginalisierung"). Auch Unterschiede in der gefühlten Bedrohung durch ethnisch-religiöse Minderheiten (z.B. Muslime) und in der Tendenz zum Verschwörungsglauben sind Gegenstand meiner Studien.

Beispielhafte Forschungsergebnisse zum Thema Persönlichkeit und Gesellschaft findet ihr hier:

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Wie Verteidiger und Entdecker einen neuen Identitätskonflikt in Europa aufspannen

Methode:

In Deutschland, Polen, Frankreich und Schweden haben wir jeweils über 1,000 Menschen aller Altersgruppen und Bildungsschichten zu ihren gesellschaftlichen und politischen Einstellungen befragt.

Ergebnisse:

In den untersuchten Ländern lassen sich unter anderem zwei Gruppen mit entgegengesetzten Positionen finden: Entdecker sind offen für Fremdes, fühlen sich in der Gesellschaft gut repräsentiert und vertrauen der Demokratie. Verteidiger hingegen haben eine weniger weit gefasste Vorstellung von Zugehörigkeit, fühlen sich durch Muslime und Geflüchtete bedroht, sehen sich ökonomisch, politisch und kulturell an den Rand gedrängt und misstrauen der Regierung. Verteidiger neigen außerdem zu Populismus und Verschwörungsmythen.

Fazit:

Hinter vielen gesellschaftlichen Streitthemen liegt ein grundlegender Identitätskonflikt - diesen gilt es zu lösen.

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Was beeinflusst erste Eindrücke gegenüber Geflüchteten?

Methode:

Beurteiler bekamen Fotos von Deutschen und nahöstlichen Geflüchteten präsentiert und sollten anhand der Fotos die Persönlichkeit einschätzen. Außerdem wurden die Gesichtsmerkmale und Mimik der abgebildeten Personen und die Einstellungen der Beurteiler erfasst.

Ergebnisse:

Geflüchtete wurden nicht allgemein abgewertet. Attraktive Zielpersonen und solche, die lächelten, wurden positiver bewertet - das galt für deutsche und geflüchtete Zielpersonen gleichermaßen. Beurteiler mit hierarchischen und rechtsautoritären Einstellungen bewerteten Geflüchtete deutlich negativer.

Fazit:

Um zu verstehen, wie Individuen, die zu Minderheiten wie Geflüchteten gehören, beurteilt werden, muss man Unterschiede zwischen Menschen berücksichtigen - von denen, die beurteilt werden, und denen, die beurteilen.

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Unsere Persönlichkeit beeinflusste den Umgang mit der Coronakrise

Methode:

Von knapp 20.000 Menschen in Deutschland und Dänemark haben wir die Sorgen, Einstellungen und Verhaltensweisen während der COVID-19-Pandemie erhoben.

Ergebnisse:

Vor allem emotional instabile Menschen machten sich Sorgen um Gesundheit und Gesellschaft. Egoistische und arrogante Menschen hielten sich weniger an das Tragen von Masken und das Abstandhalten und hatten weniger Gemeinschaftsgefühl als prosozial eingestellte und bescheidene Menschen.

Fazit:

Persönlichkeitsunterschiede haben einen starken Einfluss darauf, wie Menschen in Krisensituationen reagieren.