Entwicklung Illustration

Persönlichkeit und
Entwicklung

Woher kommt es, dass wir Menschen uns in unserer Persönlichkeit so sehr unterscheiden? Warum zum Beispiel sind die einen immer bestens vorbereitet und die anderen hoffnungslos chaotisch? Wieso wollen die einen immer noch mehr Leute kennenlernen und andere einfach nur ihre Ruhe haben? Und woran liegt es, dass manche schon bei alltäglichen Herausforderungen super nervös werden und wieder andere selbst bei größtem Stress die Ruhe selbst sind? Und wie werden wir zu dem Menschen, der wir sind?
Die Forschung zur Persönlichkeitsentwicklung hat eindeutig gezeigt, dass unsere Persönlichkeit zu etwa gleichen Anteilen durch unsere Gene und unsere Erfahrungen im Leben geprägt ist. Was man noch nicht genau weiß ist, welche bestimmten Gene und welche genauen Lebenserfahrungen hierbei eine Rolle spielen.
In meiner Forschung interessiere ich mich vor allem für den Einfluss sozialer Lebensereignisse (z.B. Beginn des Studiums, Auslandsaufenthalte, Start der beruflichen Laufbahn) und sozialer Erfahrungen, die wir hierbei machen (wie aufgehoben wir uns fühlen, mit wem wir uns umgeben, wie erfolgreich wir sind). Die meisten Studien habe ich bislang mit Menschen im jungen Erwachsenenalter durchgeführt - einer Phase, in der unsere Persönlichkeit nochmal richtige Sprünge machen kann.

Hier findet ihr Beispielstudien zur Entwicklung des Selbstwert, der Extraversion und des Narzissmus:

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Wie ein Auslandsaufenthalt den Selbstwert stärken kann

Methode:

Wir haben den Selbstwert von mehreren hundert Zehntklässlern vor, während, und nach einem 1-jährigen Auslandsaufenthalt untersucht und mit dem einer Schülergruppe verglichen, die nicht ins Ausland gefahren ist.

Ergebnisse:

Austauschschüler hatten bereits vor dem Auslandsaufenthalt im Durchschnitt einen höheren Selbstwert und dieser stieg dann durch den Aufenthalt häufig noch stärker an. Vor allem die Schüler:innen, die noch keinen so hohen Selbstwert hatten, profitieren besonders von den neuen Erfahrungen - und zwar umso mehr, je mehr sie das Gefühl bekamen, im Ausland sozial gut eingebettet zu sein. Der Selbstwertzugewinn ging auch nach der Rückkehr aus dem Ausland nicht verloren.

Fazit:

Die mit einem Auslandsaufenthalt verbundenen neuen sozialen Herausforderungen können den Selbstwert junger Erwachsener steigern.

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Freunde suchen, die uns ähnlich sind und ähnlich wie unsere Freunde werden

Methode:

Wir haben eine gesamte Kohorte von über hundert Studierenden in den ersten vier Monaten ihres Studiums begleitet und über eine Smartphone-App und ein Online-Diary erfasst, wie oft und auf welche Art sie im Alltag miteinander interagieren und wie sehr sie sich über die Zeit anfreunden.

Ergebnisse:

Studierende, die sich in ihrer Extraversion ähnlicher waren (also ähnlich gesellig, energisch, gut gelaunt waren oder ähnlich in sich gekehrt, zurückhaltend, passiv), freundeten sich eher an - und zwar, weil die Begegnungen dann positiver verliefen. Und Studierende, die sich anfreundeten, wurden in ihrer Extraversion immer ähnlicher - weil sie sich in ihrem geselligen Verhalten immer mehr anglichen.

Fazit:

Unsere Persönlichkeit kann sich Hand in Hand mit den Freundschaften entwickeln, die wir eingehen.

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Macht es narzisstisch, die Karriereleiter aufzusteigen?

Methode:

Wir haben über 300 junge Erwachsene kurz vor dem Ende ihres Studiums und dann immer wieder bis 22 Jahre danach zu ihrer Persönlichkeit und ihrem beruflichen Lebensweg befragt.

Ergebnisse:

Eine narzisstische Persönlichkeit war mit einem schnelleren und steileren beruflichen Aufstieg verbunden. Der berufliche Aufstieg hingegen führte nicht unbedingt zu einem höheren Narzissmus.

Fazit:

Narzissten werden eher zu Managern, aber Manager zu werden, macht einen Menschen nicht unbedingt narzisstischer.